Kreativprojekt des Sozialpsychiatrischen Zentrums der AWO in Eitorf
Jugendliche, die mit einem psychisch erkrankten Elternteil aufwachsen, erleben im Alltag häufig Unsicherheit, emotionale Belastung und eine erhöhte Verantwortungsübernahme. Eigene Bedürfnisse geraten dabei oftmals in den Hintergrund. Mit einem viertägigen Kreativprojekt wollte das Sozialpsychiatrische Zentrum (SPZ) der AWO in Eitorf diesen Jugendlichen einen geschützten Raum bieten, in dem sie Entlastung erfahren, ihre eigenen Stärken entdecken und Gemeinschaft erleben konnten. Im Mittelpunkt standen die Förderung von Selbstwirksamkeit, emotionalem Ausdruck und sozialer Verbundenheit.
An vier Tagen konnten die Jugendlichen ihren Gefühlen in verschiedenen Kunst- und Gestaltungsformen frei Ausdruck verleihen. Sie bemalten Teakholzbretter mit Acryl- und Lackfarben, arbeiteten mit Ton, knüpften Makrame-Garn und flochten Körbe. Die verschiedenen Gestaltungsmöglichkeiten boten ihnen die Möglichkeit, frei zu experimentieren und persönliche Motive umzusetzen. „Die künstlerische Arbeit schenkte ihnen unmittelbare Erfolgserlebnisse, förderte Stolz auf das eigene Tun, aber auch Ausdauer, Konzentration, Geduld und die eigene Körperwahrnehmung“, hat die Projektleiterin Miriam Becker-Mertelmeyer beobachtet. „Viele Jugendliche erlebten dabei, wie beruhigend und zugleich stärkend das Arbeiten mit den verschiedenen Materialen sein kann.“
Stolz auf die eigene Arbeit
Alle Tage folgten einer klaren und verlässlichen Struktur, die den Jugendlichen Orientierung und Sicherheit bot. Neben dem kreativen Arbeiten gehörten feste Rituale wie das gemeinsame Ankommen, das gemeinschaftliche Zubereiten der Mahlzeiten und eine abschließende Austauschrunde zum Tagesablauf.
„Im Verlauf der Woche zeigte sich eine deutlich positive Entwicklung in der Gruppendynamik. Jugendliche, die zu Beginn eher zurückhaltend waren, beteiligten sich zunehmend aktiv, brachten eigene Ideen ein und unterstützten sich gegenseitig“, erzählt die Psychologin und Kunstpädagogin Becker-Mertelmeyer. Die kreativen Prozesse hätten nonverbalen Ausdruck ohne Leistungsdruck ermöglicht sowie Selbstvertrauen und emotionale Entlastung gefördert. „In den täglichen Abschlussrunden berichteten die Jugendlichen von Stolz auf ihre Arbeiten, von neu entdeckten Fähigkeiten und von dem entlastenden Gefühl, mit ihrer Lebenssituation nicht allein zu sein.“
Das Kreativprojekt wurde vom SPZ des AWO Kreisverbands Bonn/Rhein-Sieg in Eitorf durchgeführt, finanziell gefördert durch den Rhein-Sieg-Kreis und die Deutsche-Bank-Stiftung.
„Die Förderung durch die Deutsche Bank Stiftung war für die Umsetzung des Projektes von zentraler Bedeutung: Sie ermöglichte den Kauf hochwertiger Materialien, eine fachlich qualifizierte Begleitung sowie einen kostenfreien Zugang für die teilnehmenden Familien“, so Becker-Mertelmeyer. Damit habe die Stiftung einen wichtigen Beitrag zur präventiven und ressourcenorientierten Arbeit mit besonders vulnerablen Menschen geleistet. „Wir danken der Deutschen Bank Stiftung herzlich für Ihre Unterstützung und die Wertschätzung dieser wichtigen Arbeit.“


